Liebes Disneyland!
25 Jahre! 25 Jahre bist du jetzt alt. Gratuliert man einem Land zum Geburtstag? Noch schlimmer einem Freizeitpark? Ist man verrückt wenn man das tut? Verwirrt? Oder einfach nur kindisch? Vor allem sollte man Jemandem gratulieren, der einem mit einem schlecht zu bekämpfenden Virus infiziert hat?
Fragen über Fragen. Natürlich war ich nicht immer infiziert. Sicher ich kannte Disney. Ich liebe Donald Duck. Das Dschungelbuch gehörte schon immer zu meinen Lieblingsfilmen. Und war ein Sammelalbum von Peter Pan aus den 70ern nicht auch in meinem Besitz? Natürlich las ich die Micky Maus. Das erste Lustige Taschenbuch stand in meiner Sammlung, ehe ich diese meinem kleinen Bruder vererbte. Aber von einem Virus war sicher nicht die Rede. Doch dann kam jener Tag, als mich meine Mutter und mein damals 14-jähriger Bruder fragten, ob ich nicht mal mit ihnen ins Land der Maus fahren wollte. In einen Freizeitpark? Als Spätdreißiger? Auch noch mit einem Reisebus und Mutter und Bruder? Auch noch an Halloween, wollten die Beiden unbedingt hin. Mit Extrafeier und allem drum und dran. Phhh, da musste ich erst mal tief durchatmen. Und um ehrlich zu sein. Ich fand die Idee erst einmal abwegig. So viel Geld ausgeben für drei Tage, auch wenn mir das Hotel sehr gut auf dem Papier gefiel. Newport Bay Hotel. Das sah zumindest gut aus. Dennoch ich zögerte. Aber die Zwei machten es mir nicht leicht. Jedes Mal beim Telefonieren oder Besuch hieß es. Und? Hast du Lust, sollen wir buchen. Wir müssen jetzt bald buchen.
Und dann habe ich gebucht. Drei Übernachtungen im schönen Hotel im Neuenglandstil. So schlimm konnte das ja nicht werden, dachte ich. Ich versuchte es von der positiven Seite her zu betrachten. Ich beschenkte damals meinen Bruder jedes Jahr mit einem selbstgemachten Adventskalender. Und jeden Tag, gab es immer etwas zum Thema Donald Duck. Das war nicht immer leicht zu organisieren und ich vermutete mal stark, dass ich im Land des Kitsches sicher reichlich zum Thema Donald Duck als Geschenk bekommen dürfte. Die Zeit bis zur Abreise verging erstaunlich schnell. Es stellte sich sogar eine gewisse Vorfreude auf die Reise ein. Also stieg ich guter Dinge in den Bus in Bochum, meine Reisebegleiter sollten erst in Aachen am Grenzübergang nach Belgien zusteigen. Der Bus fuhr los. Disneyland Paris ich komme.
Als uns der Bus vor dem imposanten Gebäude absetzte war ich doch recht angetan. Das Foyer, das Flair es beeindruckte. Die Freundlichkeit der Castmember war ansteckend und die Zimmer einfach gemütlich. Hier konnte ich mich sicherlich wohlfühlen. Mein Bruder, schon ein alter Hase in Sachen DLP, führte uns durch den Tag. Und langsam begann ich die Magie zu spüren. Selbst Halloween schien mir nicht mehr so kitschig und typisch amerikanisch überdreht zu sein, wie ich es noch bei der Abfahrt zu Hause gehalten habe. Das Wetter war während der Party schlecht. Aber dennoch die Party zu Halloween hatte mich gepackt. Die Lasershow im Frontierland. Die dekorierten Schiffe der Molly Brown und Mark Twain. Die Bühnen im Frontierland, die Shows, die Live-Musik. Die vielen Artisten und Figuren. Die schönen Dekorationen. Das alles passte wundervoll zusammen und so langsam erschloss sich mir das, was man unter dem Zauber verstand, den Mann mit dem Disneyland in Verbindung brachte.
Ich glaube da begann es. Die Freundschaft mit dem Land der Maus. Und mit den Jahren wurde aus Freundschaft und Zuneigung, so etwas wie Liebe. Liebe zu einem Freizeitpark? Das ist ja verrückt! Nein, das ist es nicht. Denn das Disneyland ist auch kein Freizeitpark im herkömmlichen Sinne. Das Land der Maus ist für mich ein Ort der Erholung, ein Rückzugsort, ein guter Freund den man besucht, weil man ihn gerne wieder sieht. Ein guter Freund bei dem man vergisst, was einen im Alltag stört und möglicherweise sogar belastet. Für mich ist es sogar in gewisser Beziehung noch mehr, weil er immer ein Ort der Erinnerung sein wird. An Erinnerungen die zum Teil traurig sind, aber auch tröstlich, versöhnlich und erfreulich. Ein Ort wo man gerne ist. Er ist ein Freund, nach dem man sich sehnt, wenn man ihn länger nicht gesehen hat. Ein Freund auf den man sich freut, wenn man ihn bald wieder treffen wird. Der weiß, wie man getröstet werden muss. Weil er einen mit seiner Herzlichkeit und Fröhlichkeit in die Arme nimmt und sagt: „Schön, dass du wieder da bist. Ich habe dich vermisst, lass es dir hier bei mir gutgehen.“
Und dieser Freund hat Geburtstag. Was soll man ihm wünschen? Bleib wie du bist? Herzlich, liebevoll und gastfreundlich. Das ja. Aber insgesamt wäre das sicher zu wenig. Auch einem guten Freund darf und muss man sagen, dass man sich nach vorne orientieren muss, damit man neue Freunde gewinnt und Alte auf Dauer nicht enttäuscht. Ich wünsche dir, dass du den Blick dafür bekommst, was zu tun ist, damit du erfolgreich in die nächsten 25 Jahre blicken kannst. Und wenn du das vollbringst, wird es sicher auch einen 50. Geburtstag geben. Und ich habe vielleicht die Möglichkeit noch viele Jahre in mein zweites Zuhause zu reisen. Wenn ich dann das Welcome am Einlass höre, unter dem Bahnhof der Mainstation hindurch gegangen bin und dann die Musik der Main Street ertönt ist es so, dann ist es mir als würde einen ein guter Freund in die Arme nehmen und begrüßen.
Happy Birthday Disneyland Paris,
dein Hercules Poirot